Freitag, den 20. März 2026 im Gasthaus Witte zu Schwalingen. Mitgliederversammlung 2026 mit Wahl des Vorstandes 2026-2030 Im Bericht der Jagdpächter führte Manfred Lünzmann die versammelten Jagdgenossen durch die Vielfalt der aktuellen jagdlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen. Einmal mehr wurde den interessiert Zuhörenden verdeutlicht, dass das Jagen weiterhin zunehmend eingebettet wird in eine komplexe Welt von Regelungen, Erwartungen und Verantwortung, in welcher die Jäger auch gesellschaftlich unter kritischer Beobachtung stehen. Dennoch und trotz der hohen Kosten der Jagdausbildung strahlt das Jagen offenbar ungebrochen eine hohe Anziehungskraft aus . Die Lehrgänge sind auf 2 bis 3 Jahre ausgebucht. Etwa 2.000 € fallen an Kosten für die Ausbildung bis zum Jagschein an. Im Jagdjahr 2024/2025 gab es in Deutschland knapp 468.000 Jagdscheininhaber (2020/2021: 403.000). In Niedersachsen jagen (2025) 70.000 Jagdscheininhaber, d.h. 1 Jäger je 114 Einwohner (Baden-Württemberg 1 Jäger je 215 Einwohner). Das Schwalinger Revier bejagen 8 Jäger (5 Pächter und 3 Begehungsscheininhaber), d.h. 1 Jäger je 45 Einwohner. Die Schwalinger Jäger sind organisatorisch Teil des Hegeringes Neuenkirchen, der wiederum der Kreisjägerschaft Soltau im Deutschen Jagdverband angehört. Der Hegering Neuenkirchen umfasst 29 Reviere, davon 17 Eigenjagden und 12 Gemeinschaftliche Jagdreviere. Die Schwalinger Gemarkung umfasst 1 Eigen- jagd und 1 Gemeinschaftliches Jagdrevier. Hegeringleiter Neuenkirchen ist Hinnerk Witte, der Bruder des Schwalinger Pächters Dirk Witte. Der frühere Hegeringleiter Neuenkirchen, Claus Schlange, ist zum Vorsitzenden der Jägerschaft Soltau aufgerückt. „Das Schwarzwild macht Sorgen“, berichtet Manfred Lünzmann - und das trotz der seit Jahren scharfen Bejagung. Mehrere Rotten im Schwalinger Revier mit je 10 bis 25 Köpfen verursachen starken Schaden. Im Jagdjahr 2025/2026 streckten die Jäger im Landkreis Heidekreis 1127 Stück Schwarzwild. Im Hegering Neuenkirchen waren es 90 Schwarzkittel. Schwalingen trug dazu mit 13 Abschüssen bei. Zur Zeit „pflügen“ die Wildschweine im Schwalinger Revier das Wiesenland um und suchen nach Nahrung im Boden. Der Schaden ist offensichtlich und hoch, schwierig und teuer, ihn zu beheben. Wenn es dann im Frühjahr zur Maissaat kommt, ist absehbar, was geschehen wird, wenn die Wildschweine nachts in Massen entlang der Saatreihen die Maiskörner wieder ausgraben. Hoher Wildschaden ist zu befürchten. Wird dieser Wildschaden zu groß, könnte die Wildschadensersatzpflicht der Jagdpächter ausgelöst werden. Sie ist im Pachtvertrag geregelt und auf einen jährlichen Betrag begrenzt. Ist dieser Betrag ausgeschöpft, muss die Jagdgenossenschenschaft für den Ausgleich des Wildschadens gegenüber den Geschädigten eintreten. „Das kann schnell sehr teuer werden“, warnt Manfred Lünzmann. Ganz soweit ist es noch nicht, aber man sollte gut vorbereitet sein, wenn es kommen sollte. Bis dahin schöpfen die Jagdpächter ihre Möglichkeiten aus, Wildschäden vorzubeugen und zu vermeiden. Dazu ist eine enge Abstimmung zwischen den Jägern und den Landwirten über Beobachtungen und Maßnahmen entscheidend. Manfred Lünzmann erinnert daran, wie aufwendig die Bejagung von Schwarzwild ist. Es ist klug , vorsichtig und äußerst anpassungsfähig. Auf Jagderfolg ist eigentlich nur in der für diese Wildart erlaubten Nachtjagd zu hoffen, in den frühen Morgenstunden. In der Dämmerung ist allerdings wegen der schlechten Sicht das Risiko einer falschen „Ansprache“ des Wildes sehr hoch - niemand möchte versehentlich eine führende Bache strecken. Das alles führt zu einer enormen psychischen und körperlichen Belastung der Jäger auf Wildschweinjagd. „Sie ist zwar reizvoll, aber eben sehr, sehr anstrengend. Wenn du dafür, weil der Mond klar scheint und bessere Sicht gibt, an 3 Tagen nacheinander morgens ab halb vier Uhr im Revier mit höchter Konzentration unterwegs bist, dann bist, ja, dann bist du einfach platt. Dann geht nichts mehr,“ erzählt Manfred Lünzmann aus eigener Erfahrung. Berufstätige Jäger können das kaum leisten und nicht jeder Jäger kann oder will diese Anstrengung verständlicherweise auf sich nehmen. So konzentriert sich Wildschweinjagd auf recht wenige Jäger, die nach Kräften versuchen, mit der Herausforderung durch die Schwarzkittel klar zu kommen. Moderne Technik, Nachtsichtgeräte, könnten zwar die Belastung der Jäger bei der Nachtjagd nicht vermeiden, aber doch die damit verbundenen Risiken senken. Zumindest wäre der Jäger nicht mehr in dem Maße auf Mondlicht angewiesen. „Aber Nachtsichtgeräte sind sehr teuer und auch jagdlich problematisch“, räumt Manfred Lünzmann ein. Kaum jemand möchte so viel Geld in die Hand nehmen und verzichtet also lieber auf die Nachtjagd. Andere wiederum könnten diese Technik zum unerwünschten „Beutemachen“ nutzen. „Da gibt es berechtigte Bedenken und Sorgen vor dem Verlust der Jagdkultur“, lässt Manfred Lünzmann wissen. In dem Abwägen zwischen dem bestehenden Handlungsdruck und dem Einsatz von moderner Technik kommt Manfred Lünzmann zu dem Schluss, dass die Möglichkeiten eines Nachtsichtgerätes nicht mehr ungenutzt bleiben können. Über die Finanzierung muss noch gesprochen werden... Die damit verbundenen Risiken lassen sich durch verantwortungsbewussten und maßvollen Einsatz begrenzen. Er erinnert daran, dass sich die Anschaffung der Schwalinger Drohne durch abgestimmten, transparenten Einsatz und die Erfolge z.B. bei der Kitzrettung bewährt hat. Im Jagdjahr 2025/2026 war die Schwalinger Drohne insgesamt 36 Stunden im Einsatz. Dank der guten Abstimmung zwischen Landwirten und Jägern im Dorf, konnten so 7 Kitze gerettet und vor der Mahd in Sicherheit gebracht werden. Immer wieder kommt es zu Wildunfällen im Revier, trotz aller Vergrämungsmaßnahmen der Jäger. Häufig passiert es noch immer auf den kritischen Strecken, die schon seit Jahren allgemein bekannt sind. 7 Stück Fallwild zählten sie im ablaufenden Jagdjahr. Darunter war ein besonders tragischen Wildunfall, bei dem eine tragende Ricke in der Mitte des Dorfes starb. Die Waschbärpopulation ist auf hohem Niveau und wächst weiter. „Der Waschbär ist nicht mehr zu verdrängen“, schätzt Manfred Lünzmann die Lage ein. Wir werden damit leben lernen und uns darauf einstellen „müssen“. Hilfe bieten die Schwalinger Jäger an... Als Letztes ein Wort noch zum Wolf. Die Schwalinger Jäger schätzen, dass er sie auch in den kommenden Jahren weiter„in Atem“ halten“ wird. Sie versuchen mit ihren Möglichkeiten, dass es im Schwalinger Revier nicht zu einer Ansiedlung eines Wolfsrudels kommt. Manfred Lünzmann hatte noch mehr Themen vorbereitet, aber für heute war es genug Stoff für die Versammlung. Ihm wurde gern und kräftig für seinen Beitrag gedankt. nach oben springen
© Fotos: HDMueller, Schwalingen

Die Jagd in Schwalingen ...

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